Barrierefreies Reisen in die Anderswelt II

2007
03.04

Nach einem Nachmittagsschläfchen fühlte sich mein Körper immer noch relativ schmerzfrei an, mein Kopf wuselte immer noch ein wenig wattig umeinander und ich suchte nach neuen Spielmöglichkeiten. Während ich noch so vor mich hin überlegte, begann meine Umgebung sich zu verändern – vor meinen Augen flimmerte es, als sähe ich durch einen heißen, feurigen Vorhang oder durch Wasser (Aquarium?). Das war kein angenehmes Gefühl und verursachte eine Art Schwindel und Übelkeit, sodass ich mich aufsetzen musste und die Augen schloss. Wie schon zuvor, verflog das flaue Gefühl nach wenigen Minuten und meine Augenlider wurden durchsichtig – ich sah meine Umgebung klar und deutlich.

Da saß ich nun auf dem Sofa, hatte die Augen geschlossen und guckte mich in meinem Wohnzimmer um. Was ich sehen konnte, sah fast normal aus – aber eben nur fast. Alles war viel klarer und deutlicher, die Umrisse waren schärfer und die Farben leuchteten. Völlig fasziniert beschloss ich, ein Experiment zu machen. Ich stand auf und ging mit meinem physikalisch-materiellen Körper im Zimmer umher, um festzustellen, ob ich wirklich durch die geschlossenen Augenlider sehen konnte. Ich ging in die Küche (das konnte ich „sehen“), öffnete den Kühlschrank (das konnte ich „sehen“), holte einen Becher Kefir heraus (das konnte ich „sehen“) – und dann versuchte ich zu erkennen, welche Geschmacksrichtung es war. Das klappte aber nicht.

Ich stellte den Becher auf den Kühlschrank und ging (immer noch mit geschlossenen Augen) zurück ins Wohnzimmer. Ich legte mich auf mein Sofa und ging dann mit meinem … tja, wie nenn ich das?… nicht-materiellen Körper in die Küche. Deutlich konnte ich den Kefirbecher auf dem Kühlschrank sehen. Ich wollte ihn in die Hand nehmen, konnte ihn aber nicht anheben. Anfassen konnte ich den Becher jedoch – er fühlte sich kalt und etwas feucht an (also völlig normal). Ich schaute mir das Etikett genau an – Dinge, die ich über die Aufschrift, das Aussehen wusste, konnte ich sehen – aber dort, wo die Frucht abgebildet war, sah ich nur einen verschwommenen Fleck. Ich versuchte zu erkennen, welche Farbe der Fleck hat – aber selbst das war nicht wirklich möglich. Die Farbe schien im Bereich zwischen Rot und Gelb zu sein – aber nun ja, das passt so ziemlich auf die meisten Obstsorten (wobei ein dunkles Rot schon fast aussieht wie Blau, und Gelb auch grünlich wirken kann). Während ich noch über die merkwürdige Farbe nachdachte und dabei wohl nicht mehr auf meine Umgebung achtete, war ich plötzlich zurück im Wohnzimmer auf dem Sofa. Ich beschloss, es noch einmal zu versuchen.

Diesmal schwebte ich zur Küche und konnte wieder alles sehen, was ich kannte oder kennen konnte. Ich berühte den Becher nicht, sondern schaute ihn mir nur von oben an – und sah, dass es Erdbeerkefir war. Ganz deutlich konnte ich die Erdbeeren erkennen. Ich öffnete die Augen, um „richtig“ nachzusehen, und fiel ein wenig unsanft auf’s Sofa. Das war überhaupt nicht gut. Ich habe mir zwar nicht weh getan, aber den Fall konnte ich deutlich spüren und den Ruck in der Magengegend auch. Nachdem ich einen Moment brauchte, um den Sturz zu verdauen, atme ich tief durch und ging dann mit offenen Augen und meinem physikalisch-materiellen Körper in die Küche, um mir den Kefirbecher anzusehen. Die Geschmacksrichtung war Mango/Orange….

Wirklich überrascht hat mich das nicht. Ich frage mich allerdings, auf welche Weise dieses Ergebnis zustande gekommen ist. Liegt es daran, dass ich die „logischen“ Regeln des Sehens akzeptiere, dass ich mich durch mein Wissen, meine Erwartungshaltung selber einschränke? Ich befürchtete es *g*

Fortsetzung folgt….

One Response to “Barrierefreies Reisen in die Anderswelt II”

  1. endlosfaden sagt:

    Was auch immer das war – ich will es AUCH! (ob du mir wohl was von deiner Infusion überlässt *g* ?)

    Aber ernsthaft: das sind wohl Nebenwirkungen der Medi, oder – was ja bei der pharmazeutischen Grundlage von Opiaten und Kokain durchaus möglich sein kann *g*.
    Wenn du diese Nebenwirkungen gerne in Kauf nimmst, dann würde ich es mir gut überlegen, dem Arzt davon zu berichten 🙂 .
    Auf jeden Fall hoffe ich, daß es dir mit dieser Medizin besser geht und du weniger Schmerzen fühlst!
    Darüber hinaus finde ich dein Erlebnis einfach spannend und wunderbar.

    Liebe Grüße von Endlosfaden

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